Montage: Daniel Baumann

"Es geht im Wesentlichen nur um Respekt"
Viel Aufwand für saudische Gäste in Bad Nauheim - Saudi-arabisches Fußball-Team eingetroffen

Bad Nauheim (AP) Angesichts des bevorstehenden kulturellen Spagats gibt sich Johannes M. Peil ganz gelassen. Der leitende Arzt der Sportklinik Bad Nauheim und sein Personal haben sich auf den Umgang mit der saudi-arabischen Fußball-Nationalmannschaft vorbereiten lassen. Seit Samstag sind die Gäste aus dem Wüstenkönigreich nun in der Kurstadt in der hessischen Wetterau. Die renommierte Sportklinik soll sich um die Gesundheit der Delegation kümmern.

Einen syrischen Reiseleiter haben sie in Bad Nauheim engagiert, um sich für die saudischen Gäste fit zu machen. Nizar Tassabehgi lebt seit zehn Jahren in Deutschland, und versteht sich als Mittler zwischen den Kulturen. Sein Referat hatte eine ebenso klare wie konsequente Botschaft: “Im Umgang mit Arabern geht es im wesentlichen nur um Respekt“, sagt Tassabehgi. “Es gibt ganz klare yes‘ und no‘s“, fügt Peil hinzu.
Was das in der Praxis bedeutet, hat Tassabehgi auch klar gemacht: Von den Mitarbeiterinnen wird erwartet, dass sie sich westlich, aber konservativ kleiden, ohne viel Haut zu zeigen. Zeitungen und Zeitschriften, die den Islam kritisieren oder leicht bekleidete Frauen zeigen, sollen weggeräumt werden. Außerdem wird gewünscht, dass die Fußballer möglichst von Männern behandelt werden.

Im Hotel Dolce, wo die Delegation wohnt, waren die Vorbereitungen genauso rigoros. Aktfotos an den Wänden des Schwimmbads wurden entfernt. Der Hotelmanager Michel Prokop ließ die alkoholischen Getränke aus den Minibars nehmen und die pornografischen Fernsehkanäle sperren. Dafür wurden 35 arabische Sender und ein Gebetsraum in Richtung Mekka eingerichtet. Geben die Bad Nauheimer wegen ihrer Gäste westliche Werte wie Gleichberechtigung und Meinungsfreiheit auf? Günter Wagner, Mitglied des örtlichen “Initiativkreis WM 2006“ sagt, dass durchaus nicht alle Angestellten die Vorgaben einfach so akzeptiert hätten. “Trotzdem geben wir uns Mühe, ein guter Gastgeber zu sein und unsere Gäste in ihren religiösen Gefühlen und Sitten zu respektieren.“

Wie lohnenswert dies sein kann, wissen sie in Bad Nauheim seit 1959. Damals weilte der saudi-arabische König Ibn Saud 1 für vier Wochen mit seinem Hofstaat in dem Kurort. ‘TEs war wie ein Märchen. Glimmer und Gloria in der deutschen Nachkriegszeit. Wer dem König die Autotür aufhielt, bekam eine Rolex Uhr geschenkt“, erinnert sich Peil. Seither empfange der hessische Kurort Gäste aus der arabischen Welt, sagt Wagner. “Der Besuch der saudi-arabischen Nationalmannschaft ist besser als ein Sechser im Lotto.“ Er beschere Bad Nauheim eine Medienpräsenz, die die Kosten von 200.000 Euro um ein Vielfaches aufwiege. Der Ort mit seinen Solquellen soll stärker als Gesundheitsstadt positioniert werden und noch mehr Gäste anlocken.

Auch wenn sich die Bad Nauheimer von dem Besuch viel erhoffen, verbiegen lassen will sich der Arzt Christoph Merkelbach nicht. Die Spieler würden in der Klinik genauso wie alle anderen von den Assistentinnen empfangen. Zur Behandlung wolle man aber nach Möglichkeit Männer einsetzen. Er selber hat die arabischen Höflichkeitsfloskeln gelernt. „Doch das mache ich auch bei Gästen aus anderen Ländern!“, betont der Arzt.

Oft sind Spitzensportler in Bad Nauheim

Den Umgang mit prominenten Spitzensportlern ist man hier eigentlich gewohnt. Formel-l-Star Michael Schumacher erscheint seit sechs Jahren regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen. Peil und seine Teams begleiten schon lange Sportler aus aller Welt zu Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Von der Organisation ist Peil absolut überzeugt: “Stadt, Logistik, Hotel, Klinik und Stadion sind top. Da können sie sich lange umschauen bis sie so was anderswo finden!“
 

Als König Ibn Saud vor knapp 50 Jahren in Bad Nauheim weilte, brachte er einen Dressur-Falken mit, den er im Kurpark vor dem Hotel Dolce fliegen ließ. Der Vogel verschwand auf NimmerWiedersehen. Jetzt ist die saudi-arabische Nationalmannschaft an den Ort zurückgekehrt. Mit einem Lächeln im Gesicht sagt Abdullah K. Dabal, Mitglied des saudi-arabischen Fußball-Verbandes: „Wir sind gekommen, um den Falken abzuholen.“ Hätten die Bad Nauheimer das früher gewusst, sie hätten den Falken gesucht.